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Geschichte & Kultur


Geschichte & Kultur

Wie auf vielen anderen Kykladeninseln gibt es auch auf Paros Spuren von Zivilisation, die belegen, dass sich hier schon vor 6.000 Jahren Menschen angesiedelt haben.

Den Archäologen zufolge beginnt die Besiedlung der Kykladen zu Anfang der Jungsteinzeitperiode (5.000 v. Chr.). Auf Saliagos, einer kleinen Insel zwischen Paros und Antiparos, stößt man auf die allerersten Spuren menschlichen Lebens auf Paros. Während der Ausgrabungen von Evans und Renfrew im Jahr 1965 fanden sich dort Überreste einer aktiven Kultur aus der Jungsteinzeit, einer ganzen Stadt auf dem Meeresboden, die sich zwischen 4.300 und 3.900 v. Chr. entwickelt hatte. Die Einwohner von Paros lebten damals von Fischfang, Jagd und primitiver Landwirtschaft.

Während der Kupferzeit erscheinen im griechischen Raum drei bedeutende Kulturen: die Kykladische (3.200 – 2.000 v. Chr.), die Minoische (2.000 – 1.500 v. Chr.) und die Mykene-Zeit (1.600 – 1.100 v. Chr.). Die Entwicklung der Schifffahrt erlaubt den Seeleuten ferne Reisen zu unternehmen, Waren und technologische Errungenschaften zu transportieren. Das Handwerk steht in Blüte, und die Steinmetze auf den Kykladen schaffen einzigartige Meisterwerke, die berühmten Kykladenidole.

Die Dörfer auf Paros, in denen Spuren der Kykladenkultur gefunden wurden, heißen Κambos, Drios, Κoukounaries, Plastiras, Glyfa und Faraggas. Funde der Kykladenkultur aus der Kupferzeit sind in ausgezeichnetem Zustand auf Paros erhalten und werden im archäologischen Museum Paros in Parikia ausgestellt. Es handelt sich hauptsächlich um Grabbeigaben, Marmor- und Tonvasen, kupferne Geräte und Idole.

Während der Minoischen Zeit ist Paros das Zentrum der Kykladen und erwirbt dank seiner drei Häfen (Parikia, Νaoussa und Drios) strategische Bedeutung für die Kreter.

Nach 1.400 v. Chr. beginnt die Vorherrschaft der Mykener-Kultur in der Ägäis, wo sie auch in den folgenden beiden Jahrhunderten ihren Sitz haben wird. Dennoch beginnt gegen 1.200 v. Chr. der Niedergang dieser großen Kultur, und in der Folge lassen sich mehr und mehr mykenische Siedler vom griechischen Festland auf den Kykladen nieder. Eine Gruppe Arkader mit ihrem Anführer namens Paros wandert gen Osten aus und ankert vor Paros, wo sie sich niederlässt. Die Insel, die bis zu dieser Epoche Minoa heißt, bekommt den Namen Paros und behält diesen auch fortan.

Nach dem Verfall der Mykenischen Kultur treten die Phönizier immer stärker in Erscheinung. Sie handeln mit Fellen, Schafswolle, Erzen und mit Marmor aus Paros.

Während der Eisenzeit entwickelt sich auf Paros die Landwirtschaft, und aus diesem Grunde erlangt der Tempel der Göttin Dimitra, die als Schutzheilige der Landwirtschaft verehrt wird, auch außerhalb der Insel Ansehen. Ende des 9. Jahrhunderts und im 8. Jhd. v. Chr. erlebt Paros seinen Höhepunkt.

Gefäße und Gegenstände aus der geometrischen Epoche kann man im archäologischen Museum Paros in Parikia bewundern. (www.greece-museums.com ).

Während der archaischen Periode (700 – 480 v. Chr.) gründen Einwohner von Paros 680 v. Chr. eine Kolonie auf Thassos, wo es bedeutende Goldvorkommen gibt. Später gründen sie auch auf dem Hellespont und in Thrakien Kolonien. Paros wird in die Achse Athen – Eretria – Μiletus einbezogen.

Die Marmorsteinbrüche auf der Insel werden intensiv genutzt. Im 6. Jahrhundert vor Christus exportiert Paros Reliefs, Statuen und Skulpturen aus Marmor, und in der Marmorbildhauerei läuft Paros Naxos den Rang ab. Ein bedeutendes Bauwerk aus Marmor von Paros ist der „Siphnian Schatz“ (Siphnian Treasury) in Delphi.

In der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts vor Christus lebt Archilochos, der Parier, der älteste lyrische Dichter, der mit Homer gleichgesetzt wird. Archilochos von Paros wendet zusammen mit der Dichterin Sappho von Lesbos die Dichtkunst von epischen Wettbewerben zu Eros und menschlichen Gefühlen. Leider ist sein Werk nur ausschnittsweise erhalten geblieben.

Zum Ende dieser Epoche befindet sich Paros in einer einzigartigen Blütezeit, die auch noch in der folgenden Periode fortgesetzt wird.

Zu Beginn der klassischen Periode, und zwar um 480 v. Chr., befindet sich Paros auf seinem finanziellen und künstlerischen Höhepunkt, die Werkstätten der Insel bringen bedeutende Skulpturen hervor, wie z.B. die Niki-Statue (470 v. Chr.). Der Marmor aus Paros findet große Nachfrage und in dieser Periode wird auf Paros mehr Marmor abgebaut als am Pentelis-Berg bei Athen. Der Apollo-Tempel in Delos, die Niki-Statue von Päoniou wie auch viele Werke des Bildhauers Skopas aus Paros sind aus diesem Marmor gefertigt. Skopas formt die Skulpturen im Athene-Tempel von Tegea sowie Reliefs für das Mausoleum von Halikarnassos und den Tempel der Artemis von Ephesos.

Die Stadt Paros hatte zu dieser Zeit 50.000 Einwohner, wunderbare Gebäude und Tempel aus Marmor. Sie ist eine der hervorragendsten und schönsten Städte von Griechenland und weist Gymnasium, Theater und ein Stadion auf. Damals werden auf der Insel das Heiligtum des Asklip und der Python Apollo-Tempel erbaut.

Ab 338 v. Chr. wird Paros Mitglied der Gesamtgriechischen Allianz (der Attisch-Delische Seebund), die vom König der Mazedonier, Filippos, zum Zwecke eines Feldzugs gegen die Perser organisiert worden war. Paros verbleibt darin bis zum Tod Alexanders des Großen.

Während der Hellenistischen Zeit (323 – 167 v. Chr.) und vor allem während der einhundertjährigen Vorherrschaft der Ptolemäer (311 – 210 v. Chr.) blühen die Kykladen und Paros auf. Die Marmorsteinbrüche von Paros werden intensiv genutzt, damit auf Delos Tempel und Gebäude von Handwerkern aus Paros errichtet werden können. In dieser Epoche kauft Milos Marmor aus Paros, um die berühmte Aphrodite-Staue (Venus) von Milos kunstvoll herzustellen. (Louvre Museum) www.louvre.fr

Die Römische Epoche (167 v. Chr. – 330 n. Chr.) war für Paros wahrscheinlich die Periode des stärksten Niedergangs in der Inselgeschichte. Die römische Epoche weist auch das Ende der antiken griechischen Kultur auf.

Während der Byzantinischen Zeit (330 – 1204 n. Chr.) verstärkt sich die Rolle der Insel Paros hingegen wieder, und die Ägäis gewinnt wieder große Bedeutung. Auf der Insel werden viele christliche Denkmäler erbaut, darunter nimmt auch die Ekatontapiliani-Kirche eine herausragende Stellung ein. (www.ekatontapyliani.org )

Gegen Ende dieser Periode unterwerfen sich die Kykladen den Venezianern. (1.220 n. Chr.).

In der Venezianerzeit findet Paros seinen alten Höhepunkt wieder. Der Geist der italienischen Renaissance wird durch die Venezianer auch nach Paros getragen. Der Marmor von Paros erfreut sich wieder großer Nachfrage und wird massenhaft nach Venedig verschifft. Die Bevölkerungszahl der Insel steigt, und die Insel erlangt Wohlstand. Gegen Ende der Periode geht Paros in den Besitz der letzten venezianischen Familie, der Venier über, bevor die Insel endgültig von den Türken beherrscht wird. 1.537 n.Chr. zwingt der Pirat Barbarossa die Familie zur Übergabe.

Während der Türkenherrschaft, die für die Kykladeninsel Mitte des 16. Jahrhunderts beginnt und bis zum Ausbruch der Griechischen Revolution 1821 andauert, genießen die Bewohner der Kykladeninseln und Paros selbst die größten Privilegien bei Religion und Selbstverwaltung, verglichen mit dem Absolutismus und der religiösen Unterdrückung durch die Venezianer. In dieser Periode wird mit dem Bau der meisten Klöster auf Paros begonnen. Während der Türkenherrschaft ist die Lage auf Paros allerdings nicht immer stabil. Venezianer, Piraten und Russen übernehmen in zeitlichen Abständen die Vorherrschaft der Inseln. Die Einwohner von Paros ziehen sich aus Furcht vor den Piraten ins Inselinnere zurück. Auf diese Weise entstehen vom 17. Jahrhundert an die Bergdörfer Kostos, Lefkes und Prodromos. Zum Ende des 18. Jahrhunderts, im Rahmen der russisch-türkischen Kriege, übernehmen kurzzeitig die Russen die Macht über die Insel Paros.

In dieser Periode werden auf Paros Kirchen, Windmühlen, Taubenhäuser, Straßen und Brücken gebaut. Keramik, Landwirtschaft, Viehzucht und Marmorbildhauerei entwickeln sich, und Paros macht sich wieder einen Namen durch bedeutende Handwerker und Meister. Auf der Insel sind zwanzig Klöster in Betrieb. In den letzten Jahren der Türkenherrschaft wird auf Paros und den Kykladen die volkstümliche Kultur deutlich gestärkt.

 



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